Salzburger Festspiele 2002
"Festspiele 'Austria Today 4' mit dem Kairos Quartett
Durckkochtopfmusik

Im vierten Konzert der Festspiel-Reihe "Austria Today" gab es am Montag programmmäßig moderne österreichische Kompositionen zu bestaunen, diesmal für Streichquartett. Im Großen Saal des Mozarteums spielte das erfrischend junge Berliner Kairos Quartett, ein ausschließlich auf zeitgenössische Musik spezialisiertes Ensemble, das an diesem Abend mit einer hochprofessionellen Leistung glänzte. Roman Haubenstock-Ramatis erste Streichquartett (1973) setzte sich aus einer Anzahl verschiedener "Mobiles" zusammen. Diese Bezeichnung spielte auf die graphische Notationsweise des Stückes an, das vorteilhaft knapp gehalten war. Die einzelnen Sätze zeigten durch die Verwendung unterschiedlicher instrumentaler Effekte eigenständiges Profil. Das ganze klang überraschend dicht und abwechslungsreich. Anton von Weberns Fünf Stücke für Streichquartett (1909) schlossen da unmittelbar an. Wie in einer Druckkochtopfmusik wurden gegensätzliche musikalische Ingredienzien (kantable Melodien, expressive Motive, aggressive Rhythmen) zusammengeworfen und bis zum Zerbersten "erhitzt". Sogar die sonst so kontrollierten Musiker ließen sich von derartiger Dramatik zu gelegentlichen Romantizismen hinreißen! Nach der Pause machte sich ein Spannungsabfall bemerkbar. Das Streichquartett von Gösta Neuwirth (1976) mag die hochherzigsten Absichten verkörpern, das klangliche Resultat war schlichtweg uninteressant. Eine Musik, die ihre Verkopftheit hinter hyperexpressiven Gesten verstecken wollte. Auch das zweite Streichquartett des Grazers Georg Friedrich Haas (1999) blieb hinter der gewohnten Schlüssigkeit zurück. Es spielte etwas ziellos mit meditativen Ober- und Vierteltönen, wirklich starke Momente ergaben sich aber erst am Ende bei den breit aufgefächerten, lange gehaltenen, scheinbar so "simplen" Dreiklängen.
Stephan Hoellwerth, SVZ 7.8.2002

 

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