Kairos Quartett: eine Stunde mit Klängen in der Dunkelheit Meisterleistung von Publikum und Musikern im Carlos-Chávez-Saal

Das deutsche Kammermusikensemble Kairos Quartett erweckte am Sonntag Nachmittag das Streichquartett Nr. 3 "In iij. Noct." , dem österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas (1953), zum Leben. Die Eigenheiten dieser Partitur sowie ihrer Aufführung machen das Ereignis zu einer historischen Besonderheit: Es handelt sich um ein Werk, das in absoluter Dunkelheit aufzuführen ist, die Musiker spielen frei (ohne Noten) und, falls das Publikum und die Bedingungen es zulassen, dauert es eine Stunde.

Am Ende des Konzerts befanden sich Musiker und Publikum im Chavez-Saal des Kulturzentrums der Universität in einer ausgesprochenen Hochstimmung.
Zum ersten Mal, so die deutsche Bratschistin Simone Heilgendorff gegenüber "La Jornada" , war die gesamte Aufführung des Werkes geglückt. Bei drei früheren Versuchen in Berlin, Innsbruck und Bressantone/Italy hatten entweder elektronische Geräte aus dem Publikum (das Phänomen Handy herrscht weltweit) oder ein geringer Lichtstrahl das Projekt jäh unterbrochen. Der in diesen Orten beste Aufführungsversuch waren 45 Minuten Musik im Halbdunkel.

Das Kairos Quartett hatte am Abend zuvor im diesem Forum ein Programm mit Werken von György Kurtág, Giacinto Scelsi, Brian Ferneyhough und John Cage präsentiert. Diesen Mittwoch Abend werden sie um 20 Uhr ihr letztes Konzert im Chávez-Saal geben, mit weiteren Werken zeitgenössischer Komponisten, darunter des Mexikaners Julio Estrada. Deren Aufführungen Teil des Zyklus internationaler Kammermusik auf diesem Gebiet sind, auf dem in jüngster Zeit die Zuhörerzahlen zunehmen. Deren Aufführungen sind Teil des Zyklus internationaler Kammermusik auf jenem Gebiet, auf dem die Zuhörerzahlen in letzter Zeit zunehmen.

Ein Teil des Erfolgs des Kairos Quartett ist mit Sicherheit dem Publikum zuzuschreiben. Zeitgenössischer Musik mit Interesse und Enthusiasmus zu lauschen ist an keinem Ort dieser Erde selbstverständlich. Musik in vollkommener Dunkelheit und über eine Stunde zu hören ist eine Heldentat des Publikums und der Musiker.
Darüber hinaus handelt es sich um eine faszinierende Erfahrung: vier Musiker, die auswendig in absoluter Dunkelheit aus den vier Ecken des Chávez-Saales spielen, aus akustischen sowie anderen technischen Gründen der ideale Raum, geeignet für Klänge und lange Pausen, die sonst im Dunkeln nur schwer zu ertragen wären. Es gab nicht einen einzigen Lichtstrahl in dieser Stunde, mit Ausnahme des inneren Leuchtens von mehr als 100 Beteiligten, die die Gegenwart der Anderen und der Musik in all ihrer Fülle spürten.
Das Wunder übertraf Goethes Maxime: Licht, mehr Licht!

La Jornada, Mexico City, 1.4.2003 (Übersetzung Gunda Weiland)

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